60 Jahre Bund der Verfolgten des Naziregimes Berlin e.V.

Rede anläßlich des 60. Gründungstages des BVN Berlin gehalten am 29.Juni 2006 von der Vorsitzenden Dr. Nikoline Hansen

Sehr geehrte Frau Staatssekretärin, sehr geehrte Damen und Herren, liebe Frau Goldberg, liebe Freunde,

Vor zehn Jahren, am 27. Juni 1996, haben wir an diesem Ort den fünfzigsten Jahrestag der Gründung des Bundes der Verfolgten des Naziregimes Berlin e.V. in einer Festveranstaltung gewürdigt. Damals hat mein Vorgänger im Amt, Werner Goldberg, eine Rede gehalten mit dem Titel „Gerechtigkeit und Sühne als Zielsetzung vor 50 Jahren“ – und beim Lesen dieser Rede habe ich festgestellt, dass er damals schon sehr viel von dem gesagt hat, was der Titel meines Vortrags beinhaltet. Er hat allerdings, und das ist der entscheidende Unterschied, aus persönlicher Erfahrung sprechen können. Ich habe die Vorgeschichte und die mörderischen Zeiten nationalsozialistischer Diktatur, die letztlich zur Gründung des BVN geführt haben, nicht selbst miterlebt, bin aber familiär doch wesentlich geprägt von den Ereignissen, auch dies ein Grund, mich hier zu engagieren und zu versuchen, die Arbeit des Vereins, ihren Zielen gemäß so lange sie sinnvoll ist fortzusetzen. Dieser Generationswechsel musste erfolgen, um den Verein überhaupt noch am Leben zu erhalten, und wie vor zehn Jahren stellt sich auch heute die Frage nach der Zukunft: den biologischen Gesetzen folgend wird unser Verein von Jahr zu Jahr kleiner. Waren es 1946 noch 5000 Mitglieder, die sich in einer Schicksalsgemeinschaft zusammengefunden hatten um wieder Fuß im öffentlichen Leben in Deutschland zu fassen und dabei zu helfen, ein demokratisches Deutschland mit aufzubauen, war diese Zahl 1996 bereits auf 300 Mitglieder gesunken. Jetzt, zehn Jahre später, hat sich diese Mitgliederzahl noch einmal weiter um mehr als die Hälfte reduziert – die jährlichen Berichte auf den Mitgliederversammlungen zeugen davon. Und doch ist es so, dass sich immer wieder herausstellt, dass die damals gestellte Aufgabe, zu verhindern, dass es wieder Verfolgte in unserem Lande gibt, die politische Entwicklung in Deutschland zu beobachten und das in unseren Kräften stehende zu tun, um eine einseitige Parteidiktatur zu verhindern, die Menschenrechte, Menschenwürde und die Freiheit gefährdet, eine Aufgabe ist, die es durchaus noch wahrzunehmen gilt. Auch wenn wir derzeit nicht in einer Zeit der akuten Bedrohung unserer Freiheit leben, sondern in einer gefestigten Demokratie, zeigt sich doch, dass diesen Zustand zu bewahren eine Aufgabe ist, die gelegentlicher Anstrengungen bedarf, und gerade die gegenwärtigen Bemühungen um einen gesunden Umgang mit Nationalbewusstsein und Patriotismus zeigen, dass Deutschland weit davon entfernt ist, in der Realität einer gesunden Nation angekommen zu sein: Hier gilt es, auch nach 60 Jahren und damit drei Generationen nach dem barbarischen Einschnitt, den die Naziideologie dem deutschen Volk in seiner zivilisatorischen Entwicklung zugefügt hat, die Entwicklung mit Besorgnis und im Hinblick auf das Streben nach einer friedlichen Zukunft in der Völkergemeinschaft zu verfolgen und gelegentlich mahnend zu begleiten, wie es sich ja unsere seit 53 Jahren bestehende Zeitschrift die „Mahnung“ zur Aufgabe gemacht hat. Wenn wir nach 60 Jahren Bilanz ziehen lässt sich an erster Stelle feststellen, dass wir eine so lange Periode eines friedlichen Zusammenlebens auf deutschem Boden erstmals in der Geschichte erleben dürfen.

Die Aufgaben und die Arbeit des BVN haben sich im Laufe der letzten Jahre an die veränderten Umstände angepasst; seiner satzungsgemäßen Definition als einer überparteilichen, überkonfessionellen Organisation der politisch, rassisch, religiös Verfolgten aus der Zeit von 1933 bis 1945 ist er dabei immer treu geblieben. Die grundlegende Aufgabe – sich der Sorgen und Nöte der Überlebenden des nationalsozialistischen Unrechtsregimes anzunehmen bleibt solange bestehen, wie betroffene Menschen am Leben sind und Hilfe benötigen, und solange muss der BVN seine Arbeit auch fortsetzen. Dazu gehört die finanzielle Absicherung der Überlebenden, die durch die entsprechenden Gesetze sichergestellt ist – die jahrelangen Bemühungen um eine angemessene Anpassung der PRV-Rente zeigen allerdings auch hier, dass es keine Garantien gibt sondern Hartnäckigkeit seitens der Betroffenen oder deren Vertreter und guter Wille staatlicherseits Voraussetzung sind, diesen Zustand wenigstens zu bewahren. Die Anpassung der PRV-Renten Anfang des Jahres hat gezeigt, dass die ehemals Verfolgten inzwischen eine breite öffentliche Anerkennung finden und vor allem, dass alle politischen Parteien in Berlin ihre Anliegen unterstützen. Das war, wie die Bemühungen, ja geradezu Kämpfe um Anerkennung und Entschädigung in den fünfziger Jahren zeigen, nicht immer so. Anerkennung und Entschädigung der Verfolgten kam nach dem 8. Mai 1945 in erheblichem Maße auf Betreiben der Alliierten Siegermächte zustande und wäre ohne diese wohl trotz der selbst organisierten Interessenvertretungen kaum denkbar gewesen.

Inzwischen sind die Betroffenen selbst kaum noch in der Lage, sich entsprechend Gehör zu verschaffen und wieder auf öffentliche Unterstützung angewiesen: Schon anlässlich der Festveranstaltung zum 50. Jahrestag stellte Georg Bach, der inzwischen verstorbene stellvertretende Vorsitzende des Zentralverbands deutscher Widerstandskämpfer und Verfolgtenorganisationen (ZDWV), dem Dachverband, dem wir auch angehören, fest: „In dieser langen Zeit von 50 Jahren sind auch viele Menschen, die zu Beginn unsere Arbeiten begleitet haben und aktiv waren teilweise müde geworden und können sich aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr an der Arbeit beteiligen.“

Der BVN hat sich als Schicksalsgemeinschaft von Menschen zusammengefunden, die in der Diktatur 1933 bis 1945 verfolgt wurden. Daher haben seine Mitglieder die Gewissheit gegenseitigen Verstehens, wenn es um die politische Zielsetzung der Herstellung von Gerechtigkeit und Sühne von Unrecht geht. Nicht zuletzt deshalb verfolgen die Mitglieder des BVN, wie auch der ZDWV, mit besonderem Interesse den aktuellen Umgang der deutschen Politik mit der Aufarbeitung der DDR-Diktatur und den Umgang mit den dort verfolgten Regimekritikern – sicher keine primäre Aufgabe des BVN, aber eben doch ein Thema, das, wie unsere letzte Mitgliederversammlung wieder gezeigt hat, interessiert, weil es mit unserem Zielen, Gerechtigkeit und Sühne von Unrecht in Einklang steht. Denn diese Ziele haben wir in der wechselvollen Geschichte unseres Verbandes nie aus den Augen verloren.

Am 4. Juni 1946 wurde der „Verband der Opfer der Nürnberger Gesetze“ (OdN), vormals "Vereinigung 1937" durch Verfügung der britischen Militärregierung (03/4/8 Political Section) genehmigt und in der Urkundenrolle eingetragen. Die Satzung des Vereins wurde am 27. Juni 1946 verabschiedet, ein erster Rundbrief an die Mitglieder erschien im Oktober 1946. Die „Vereinigung 1937“, ehemals Paulus-Bund, hatte ihrerseits eine wechselvolle Geschichte hinter sich, eng verwoben mit dem „Reichsbund christlich-deutscher Staatsbürger nichtarischer oder nicht rein arischer Abstammung e.V.“ deren Mitglieder die Zielsetzung verfolgten, als gleichwertige Deutsche anerkannt zu werden. Diese Vorgeschichte des BVN ist im Einzelnen nachzulesen in einem Artikel von Hans Faust in der Mahnung vom 1. September 1983 und in Werner A. Zehdens Artikel „Gratwanderung zwischen zwei Welten“ in der Mahnung 12/1985. Ausschlaggebend für die Gründung des OdN – Opfer der Nürnberger Gesetze – war also die so genannte rassische Verfolgung, die aus der ehemaligen Religionszugehörigkeit entsprungen war. Der Briefkopf des Verbandes enthält den Vermerk: „Interkonfessioneller Zusammenschluss aller Opfer der nationalsozialistischen Rassepolitik (mit Ausnahme der von der jüdischen Gemeinde Betreuten)“ und zeigt damit bereits eine Konkurrenzsituation, die sich nach den mir vorliegenden Dokumenten auch gegenüber der Evangelischen Hilfsstelle für ehemals Rasseverfolgte ergab. Eine Notiz in der Berliner Zeitung vom 1.8.1945 besagt: „Die Hilfsstelle für evangelische Nichtarier und Rassenverfolgte (früher Büro Pfarrer Grüber) hat ihre Arbeit im Diakonissenhaus Bethanien, Mariannenplatz 1, wieder aufgenommen.“ Damit blieb die interkonfessionelle Interessenvertretung Alleinstellungsmerkmal des OdN, der sich zugleich als überparteiliche Organisation begriff und eine Bündelung der Kräfte anstrebte.

Im November 1947 erhielt der Verband unter der Autorisierung der Alliierten Kommandantura Berlin laut Anordnung BK/0 (47) 2666 vom 20.11.1947 die Gesamtlizensierung in Berlin als "Berliner Verband der Opfer der Nürnberger Gesetze (ODN)", zusammen mit der "Berliner Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes Gross-Berlin". Unter der Überschrift „25 Jahre – „Die Mahnung““ rekapituliert der Ehrenvorsitzende des BVN Berlin Werner Zehden diese Gründungsjahre und die politischen Aspekte der damaligen Zeit (die Mahnung Nr. 10/1978):

Diese Doppel-Lizensierung war ein Kompromiss der vier Besatzungsmächte: Die 3 Westmächte gaben ihre Zustimmung zur Lizensierung der VVN für Gesamt-Berlin nur unter der Bedingung, dass gleichzeitig der OdN für Gesamt-Berlin zugelassen wird. Umgekehrt gaben die Russen ihr Ja-Wort zur Lizenzierung des OdN nur, wenn die 3 West-Alliierten die VVN in allen vier Sektoren Berlins zulassen. So wie der OdN bereits im britischen Sektor bestand, so hatte die VVN von den Russen schon eine Lizenz für die sowjetische Besatzungszone erhalten. Der Vorsitzende der VVN war Ottomar Geschke (SED). Die kommunistische Zielsetzung der VVN wurde immer eindeutiger, sie wurde zu einer kommunistischen Massenorganisation umfunktioniert.

Die politische Entwicklung in der geteilten Stadt machte es schließlich im Herbst 1948 nötig, die Satzung des Verbandes in der Weise zu ändern, dass neben rassisch Verfolgten auch politisch Verfolgte des Naziregimes als Mitglieder aufgenommen werden konnten. Da sich das Kürzel „OdN“ quasi als Markenname bereits etabliert hatte, wurde der neue Name so gewählt, dass der populäre Kurzname des Verbandes beibehalten werden konnte: Die Organisation wurde umbenannt in "Verband der Opfer des Nationalsozialismus“. Im Mitteilungsblatt des OdN vom April 1949 heißt es in einem Bericht über die außerordentliche Mitgliederversammlung am 5. März im überfüllten Studentenhaus in der Hardenbergstraße, auf der der Beschluss gefasst wurde, auch die Betreuung der politisch und religiös Verfolgten zu übernehmen:

„Meine Freunde“ – so schloss Herr Zehden seine Ausführungen – „es gilt die Zeichen der Zeit zu erkennen! Wenn wir hier im OdN die Zeit verschlafen und überhören, was die Glocke geschlagen hat, dann wird das politische Geschehen über unseren Verband hinweggehen. Wir, die Opfer des Nationalsozíalismus, als kleine Minderheit, können überhaupt nur noch etwas erreichen, wenn wir alle zusammenhalten und an einem Strang ziehen. Die Aufteilung in rassisch sowie politisch und religiös Verfolgte mag im einzelnen die Sonderinteressen charakterisieren. Diese Sonderinteressen müssen aber zurücktreten, wenn es gilt, das Gemeinsame zu erringen. Zersplitterung bedeutet Schwächung, der Zusammenschluss aber gibt dem OdN eine große Stoßkraft. Der OdN muss die Organisation aller politisch, rassisch und religiös Verfolgten Berlins werden!“

Damit waren die politischen Weichen für den Verband gestellt. Der OdN wurde am 8. Mai 1950 Landesverband Berlin des Bundes der Verfolgten des Naziregimes, der am 4.2.1950 in Düsseldorf gegründet worden war. Am 3.2.1954 wurde er offiziell als "Bund der Verfolgten des Naziregimes Berlin e.V.“ in das Vereinsregister eingetragen mit dem Namen, den er als Herausgeber der Mahnung bereits trug und unter dem unser Verein noch heute wenngleich inzwischen biologisch geschrumpft existiert. Dennoch, und vielleicht auch gerade deswegen, besteht Grund zum Optimismus: Denn im Hinblick auf seine Zielsetzungen hat der BVN Berlin seit seiner Gründung 1946 eine Menge geleistet, vor allem wenn man in Betracht zieht, dass die von ihm vertretenen Positionen in Deutschland stets die Positionen einer Minderheit waren. Der BVN hat in Zusammenarbeit mit den befreundeten Organisationen in all den Jahren mit seinen eingeschränkten Möglichkeiten sich nicht nur für die Belange der ehemals Verfolgten eingesetzt, sondern auch zum Wiederaufbau eines neuen demokratischen Deutschlands beigetragen. Mehr als 60 Jahre nach Kriegsende gilt es jetzt in Deutschland, ein gesundes Mittelmaß im Umgang mit der Vergangenheit zu finden, das nicht kontraproduktiv wirkt sondern die richtigen Zeichen setzt. Die im Rahmen einer überhöhten Betroffenheitskultur kompromisslose Konfrontation mit den Gräueltaten der Nazis kann sich da, wie jetzt bereits gelegentlich wahrgenommen, als falscher Weg erweisen, wenn er ohne pädagogisches Fingerspitzengefühl eingeschlagen wird. Nicht ohne Grund hat es oft lange gedauert, bis in den betroffenen Familien – wenn überhaupt - über die Vergangenheit geredet werden konnte. Das aus Spenden der Mitglieder errichtete Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus, das am 9.11.1953 der Öffentlichkeit übergeben wurde, hat die Dringlichkeit des Anliegens der Erinnerung in einem angemessenen Rahmen präsentiert und hat – errichtet aus Steinen der zerstörten Synagoge in der Fasanenstraße noch heute für uns eine viel tiefergehende Symbolik als das gigantische „Denkmal für die ermordeten Juden Europas“, das ja in seiner Kategorisierung geschichtspolitisch problematische Zeichen setzt, da es den Umständen der nationalsozialistischen Rassepolitik und Verfolgung nicht gerecht wird. Gegen die Tendenz der „Mahnmalisierung Berlins“ hat Thomas Lackmann am 28. Juni im Tagesspiegel einen durchaus bedenkenswerten Appell an das Kuratorium des Denkmals für die ermordeten Juden Europas gerichtet:

Verehrtes Kuratorium, liebe MdB: Bitte erlaufen Sie die teils implantierte, teil gewachsene Erinnerungslandschaft Berlins. Erleben Sie, wie winzige und monumentale Hinweise miteinander Geschichten erzählen. Erkennen Sie als Aufgabe, die politisch-moralisch aufgeladene Mahnmalisierung der Objekte und des Diskurses – alles nennt sich heute Mahnmal! – abzubauen. Lassen Sie die Steine reden. Helfen Sie dem Souverän, zu entdecken, woher wir kommen, wo wir leben. Der Weg ist die Stadt.

Chronologisch korrekt beginnt Lackmann seine Kolumne mit einem Hinweis auf das Mahnmal des BVN: „Die Muschelkalkquader mit der Inschrift von 1953 stammen aus einer Synagogenmauer.“ Dieses Mahnmal hat sich keiner „Mahnmalisierung“ unterzogen, es ist tatsächlich ein Mahnmal, das als Mahnmal errichtet wurde und diese Funktion noch heute erfüllt. Seine Steine reden tatsächlich.

Der kleine Ausflug in die Geschichte hat gezeigt, dass sich im Laufe der letzten 60 Jahre viel geändert hat. Auch wenn, wie schon von Herrn Goldberg anlässlich des 50. Jahrestages angesprochen noch immer politischer Handlungsbedarf besteht und viele Dinge in Deutschland im Einzelnen verbessert werden könnten habe ich doch den Eindruck, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Auch wenn mir im Hinblick auf die deutsche Gedenk- und Erinnerungskultur gelegentlich das Lachen im Halse stecken bleibt: etwa angesichts der staatlich gelenkten Kampagnen „Du bist Deutschland“ und „Deutschland – Land der Ideen“ beim Anblick einer in die Deutschlandfahne gehüllten sinnlich blickenden Claudia Schiffer auf der entsprechenden Internetseite und großen Reklamepostern im Ausland; oder auch dem Anspruch der Vorbildfunktion des „Denkmals für die Ermordeten Juden Europas“ für den Umgang anderer Nationen mit ihrer eigenen unrühmlichen Vergangenheit. In einer lebendigen Demokratie wird immer der Handlungsbedarf bestehen, die Grund- und Menschenrechte zu verteidigen, damit sie nicht nur auf dem geduldigen Papier der Verfassung existieren sondern auch in den Köpfen der Menschen verankert sind. Deshalb ist es wichtig, nicht zu vergessen, sondern immer wieder zu erinnern. Sich besonders immer wieder der eigenen Stärken aber auch Schwächen zu erinnern, ohne dabei auf andere zu zeigen. Und, auch das ist wichtig für einen ehrlichen Umgang mit der Geschichte: Erinnern muss uns Bedürfnis sein. Zu Erinnern war für die Verfolgten des Naziregimes schon immer ein Bedürfnis, und sie haben dieses Bedürfnis einer Minderheit zu einem Anliegen der Mehrheit gemacht. Aber nur wenn diese Erinnerung ein authentisches Bedürfnis ist kann sie der oft zitierten jüdischen Weisheit gerecht werden die besagt: Das Vergessenwollen verlängert das Exil und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung. Dies den nachfolgenden Generationen zu vermitteln ist eine schwere Aufgabe, die viele Mitglieder des BVN als Zeitzeugen auf sich genommen haben, wofür ihnen gar nicht genug zu danken ist.

Seit 1953 nimmt der BVN seine satzungsgemäße Aufgabe der Aufklärung der Öffentlichkeit auch durch die Herausgabe der „Mahnung“ wahr, deren erste drei Jahrgänge jetzt als Faksimile-Nachdruck einer breiteren Öffentlichkeit verfügbar gemacht werden. Dafür bedanke ich mich bei Dr. Johannes Tuchel und der Gedenkstätte Deutscher Widerstand als Herausgeberin im Namen des BVN Berlin und ich bedanke mich auch bei Dr. Ekkehard Klausa, der die Mühe auf sich genommen hat, die „Themen und Positionen der „Mahnung 1953 bis 1956“ zu untersuchen und uns in einem Vortrag zu präsentieren. Ich danke der Gedenkstätte deutscher Widerstand und dem Senat von Berlin dafür, dass sie es initiiert haben, öffentlich an den 60. Gründungstag des BVN Berlin zu erinnern.