Die Mahnung 50/ Nr. 11/12  1. November / 1. Dezember 2003

 

 

Susanne Römer, Hans Coppi (Hrsg.)

„Aufbruch“ Dokumentation einer Zeitschrift zwischen den Fronten

Mit Vorworten von Peter Steinbach und Susanne Römer. Einführender Kommentar von Hans Coppi. Namensregister von Susanne Römer

 

Der vorliegende Band mit der Faksimile-Ausgabe der ersten drei Jahrgänge des „Aufbruch“ (1931-1933) macht ein höchst interessantes Dokument einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich und ermöglicht damit den Erwerb eines historischen Verständnisses aus einem bisher eher vernachlässigten oder verklärten Blickwinkel für die Zeit, in der der Nationalsozialismus seinen unseligen Anfang fand und eben im Spannungsfeld von Nationalismus und Kommunismus in gewisser Hinsicht auch Sympathie – wie Peter Steinbach in seinem Vorwort feststellt: „Die Auseinandersetzung mit dem „Grenzgängertum“ schult aber die Phantasie der Nachlebenden und zwingt sie, sich auf das Andere einzulassen, sich also nicht mehr nur in den konventionellen Deutungen zu bewegen“ (9). Da dies dem historischen Laien mit heutigem Wissensstand kaum möglich wäre, helfen zwei Vorworte und ein einführender Kommentar dem Leser auf die Spur. Trotzdem wäre es wohl kaum möglich, sich effektiv durch die drei Jahrgänge durchzuarbeiten, wenn es nicht ein umfangreiches Namensregister gäbe – denn der größte Teil der damals im aktuellen politischen Geschehen wichtigen Akteure ist heute in Vergessenheit geraten, so dass man nur erahnen kann, mit welch mühseliger historischer Forschungstätigkeit das Zusammentragen der Information verbunden gewesen sein muss. Deutlich wird aber nicht nur der Idealismus der heutigen Herausgeber, sondern auch der der damaligen deutlich. Davon zeugt etwa das in einer Anmerkung versteckte Zitat aus einer illegalen Druckschrift der Römer-Gruppe aus dem Jahr 1942: „Nicht Hitler ist der Staat, der Staat sind wir, das Volk! ... Schluß mit dem Krieg! Nieder mit Hitler! Es lebe die Volksrevolution!“ (14).

 

In der Tat ist es schwer, sich aus heutiger Zeit in die damalige hineinzuversetzen, obwohl sich doch gelegentlich erstaunliche Parallelen assoziieren und einen erschrecken lassen, etwa wenn es um die Ausbeutung billiger Rohstofflieferanten ging. Und wenn Coppi in seinem einführenden Kommentar schreibt: „Eine um sich greifende diffuse Endzeitstimmung verhalf einer Partei ohne Geschichte mit scheinrevolutionären Phrasen und einem fanatischen Aktionismus zu einem beispiellosen Aufstieg. Die politische Szene war unaufhaltsam in Bewegung geraten. Traditionelle Parteien der bürgerlichen Mitte vermochten immer weniger Wählerinnen und Wähler mit ihren Programmen und ihren Führungsfiguren zu überzeugen“ (15) – so erinnert auch das in gewisser Hinsicht an ausgesprochen aktuelle politische Probleme.

 

Die Zielrichtung des „Aufbruchs“ ist historisch eindeutig definierbar. Sie ist der Versuch der Kommunistischen Partei, mit Richard Scheringer, dem früheren Reichswehrleutnant und nationalsozialistischem Aktivisten, der am 18. März 1931 zu den Kommunisten übergetreten war als Frontmann ein Propagandaorgan gegen die „Braune Front“ zu installieren. So sind die Texte vielfach pamphletistisch und aktivistisch, sie moralisieren oder sind gehässig – mit anderen Worten, sie sind schwer zu lesen, weil sie den direkten Angriff in einer Art erproben, die wir heute in dieser Offenheit nicht mehr gewöhnt sind. Aber trotzdem lohnt es sich in die Geschichte einzutauchen und gerade durch die komplette historische Dokumentation der drei Jahrgänge erweist sich der vorliegende Band als wertvolles Stück Zeitgeschichte, das uneingeschränkt zum Schmökern und Nachdenken einlädt.

 

 

Susanne Römer, Hans Coppi (Hrsg.)

„Aufbruch“. Dokumentation einer Zeitschrift zwischen den Fronten.

Mit Vorworten von Peter Steinbach und Susanne Römer. Einführender Kommentar von Hans Coppi. Namensregister von Susanne Römer.

ISBN 3-923532-70-9

Koblenz: Fölbach, 2001 Preis: €  38,00

 

Nikoline Hansen