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Die Mahnung 51/02   1. Februar 2004

Neue Ausstellungen im Deutschen Historischen Museum

 

Das Deutsche Historische Museum zeigt bis zum 1. Februar in Zusammenarbeit mit der Bundeszentrale für politische Bildung, welches Potential der Täuschung Bildern innewohnen kann. Viel mehr als beim Wort, das abstrahiert, wird das Bild als Tatsache geglaubt – der Mensch ist gewöhnt, das, was er sieht, als tatsächliches Geschehen wahrzunehmen. Dass sich dies bereits durch künstlerische Eingriffe in die Rea­li­tät, etwa Verfremdungen oder Veränderungen, als nicht immer mehr wahr herausstellt, haben wir gelernt. Ein weiterer qualitativer Sprung besteht jedoch in der absichtlichen Manipulation – sei es aus politischen oder kommerziellen Interessen, für die die Ausstellung am Alphabet herbeizitierte Beispiele bietet.

 

Auch wenn diese alphabetorientierte Gliederung von A bis Z die Beispiele nur zu punktuellen Themen zulässt ohne eine historische oder schwerpunktmäßige Betrachtung der Bildmanipulation und Propaganda aufzuzeigen, ist die Ausstellung doch sehr interessant und aufschlussreich und in jedem Fall einen Besuch Wert. Macht sie doch bewusst, wie leicht es inzwischen geworden ist, Bildmaterial zu manipulieren – die Retuschierungen in mühevoller Handarbeit der frühen Jahre der Fotografie, etwa in der Bemühung, un­lieb­sam gewordene Personen aus der Geschichte verschwinden zu lassen, gehören der Vergangenheit an. Nun wird ausgeschnitten und zusammengefügt, was nicht zusammengehört, perfekt in Farbe und als Fäl­schung mit dem Auge nicht mehr zu erkennen. Mit der Digitalisierung hat ein neues Zeitalter begon­nen, das vom Gehirn ein Umdenken erfordert: nämlich Bilder nicht mehr für Realität zu halten, sondern sie als ebenso unsicher wie das gesprochene Wort zu begreifen. Hier gilt es, ein neues Bewusstsein zu schafften.

 

Von zentraler Erkenntnis ist in diesem Zusammenhang sicher das in der Ausstellung quasi motivierend an der Wand schwebende Zitat: „Ein Foto sagt nicht länger die Wahrheit. Es schlägt nur eine Möglichkeit vor“ (Tony Leighton). Alles Weitere bleibt nun der Lernfähigkeit des modernen Menschen überlassen – denn der ebenfalls zitierte Ausspruch „Wer die Bilder beherrscht, beherrscht die Menschen“ (Bill Gates) erscheint mir nicht gerade als eine erstrebenswerte Perspektive für die Zukunft.

 

Als Fazit lässt sich feststellen, dass Bildmanipulation in Zukunft mehr denn je eine Rolle spielen wird, gerade in den Medien und damit auch im politischen Handeln. Diese Ausstellung sensibilisiert dafür und hat eine grundlegende Bedeutung, indem sie ein notwendiges aufklärendes Potential anbietet und Möglich­keiten der Manipulation und Fälschung zeigt, die heutzutage sicher auch schon in der Schule thematisiert werden sollten.

 

Die zweite gegenwärtig im Deutschen historischen Museum gezeigte Ausstellung „Von Körpern und anderen Dingen. Deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert“ widmet sich der deutschen Fotographie des vergangenen Jahrhunderts mit einem Schwerpunkt auf der Darstellung von Körperlichkeit – nicht ausschließlich der des Menschen, sondern etwa auch der der Architektur und anderer Formen. Besonders beeindruckend – vielleicht auch durch die noch scharfen Kontraste des Schwarz-Weiß-Films - sind die Fotographien vom Anfang des Jahrhunderts, insbesondere die 1929 erstmals ausgestellten Pflanzenbilder von László Moholy-Nagy. Immer wiederkehrend bis in die Gegenwart ist das Element der Inszenierung erkennbar, die keinen Raum für Zufälligkeiten lässt und das Foto somit zu einer künstlerischen Komposition werden lässt, die nicht Realitäten wiedergibt sondern konstruiert.

 

Nikoline Hansen

 

Weitere Informationen über das Deutsche Historische Museum und die Ausstellungen unter www.dhm.de

 

Ausstellungshalle des Deutschen Historischen Museums, Hinter dem Gießhaus 3, Berlin-Mitte; Öffnungszeiten 10:00-18:00 Uhr täglich; Informationen und Anmeldung zu Führungen unter (030) 2030 4411 Eintritt 2 €, Jugendliche unter 18 Jahren frei; keine weiteren Ermäßigungen

 

Von Körpern und anderen Dingen. Deutsche Fotografie im 20. Jahrhundert – bis 16. Februar 2004; weitere Ausstellungsstationen: The Moscow House of Photography 15.03.-15.04.2003 und Museum Bochum 08.05.-24.07.2004

 

Bilder, die lügen – bis 1. Februar 2004; Eintritt in die Ausstellung „Bilder, die lügen“ frei