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Die Mahnung 52/7  1. Juli 2005

 

Zwischenruf

 

Wolf Vostell 1987 - Deutsche Aussichten II

 

Im Themenbereich "Shoah" der gegenwärtig im Martin-Gropius-Bau gezeigten Ausstellung "Die Neuen Hebräer. 100 Jahre Kunst in Israel" gibt es eine Installation, die im Haus fest eingebaut ist: Das Fenster des Raums ist mit einem schwarzen Schleier abgedunkelt – vielleicht auch wegen des gezeigten Filmausschnitts aus dem Eichmann-Prozess in Jerusalem – und auf dem Fensterbrett befindet sich ein Schild mit der Aufschrift "Deutsche Aussichten II. Wolf Vostell, 1987". Der Blick zeigt Richtung Topographie des Terrors. Wir erinnern uns: 1987 befand sich dort noch das so genannte Autodrom, wo Berliner ohne Führerschein auf reifengesichertem umzäunten Gebiet ihre Fahrkünste probieren durften. Seitdem hat der Ausblick einiges erlebt: Den Fall der Mauer, die Einrichtung der Ausstellung "Topographie des Terrors", den Bau der "Zumthor-Türme" und nun – Brachland beim Blick aus dem Fenster im Juni 2005, wieder leicht begrünt mit Unkraut ein friedliches Bild. Schade, dass diese Dokumentation nur mental erfolgen und damit leicht in Vergessenheit geraten oder sich dem unbedarften Besucher gar nicht erst bieten kann – sie verdiente es eigentlich, unter zu Hilfenahme zeitgemäßer Medien auch im Bild regelmäßig dokumentiert zu werden.

 

Nikoline Hansen