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Die Mahnung 52/ 8/9  1. August/1. September 2005

 

50 Jahre Leo Baeck Institut

Festveranstaltung am 22. Mai 2005 unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten Dr. Horst Köhler

 

Anlässlich des 50-jährigen Bestehens des Leo Baeck Instituts mit seinen Arbeitszentren in Jerusalem, London und New York lud das Institut zu einer Jubiläumsveranstaltung, auf der die Arbeit des Instituts vorgestellt wurde. Dabei zeigte sich, dass diese Arbeit nach wie vor wichtig ist und ein Ende, entgegen der ursprünglichen Vorstellungen, auch nicht absehbar sei, sondern es im Gegenteil neue Schwerpunkte gebe auch durch das Entstehen neuer jüdischer Gemeinden in Deutschland, denn damit gibt es ein Fortschreiten der Geschichte jüdischer Tra­dition in Deutschland nach einem radikalen Vertrauensbruch, der sich mit der Einwan­de­rung aus Osteuropa und dem Generationenwechsel und aus alten Überlieferungen bekannten Krisenzeiten jüdischer Existenz zu einer Art gesetzmäßigem historischem Erscheinungs­muster der Erneuerung und Erweiterung jüdischer Erfahrungshorizonte webt. Dieser hat die Gründung des Staates Israel als eigene jüdische Nation ermöglicht, die entscheidend von deutschen Einflüssen geprägt ist; so ist auch die israelische Geschichts­schreibung ohne die deutsche Diaspora nicht erzählbar, und das Leo Baeck Institut trägt entscheidend dazu bei, sie zu erforschen. Hauptziel des Instituts ist es dabei, die erforderlichen Impulse für den Kurswechsel vom Bild des Juden in Deutschland als Verfolgten und Opfer des Holocausts zum erfolgreichen Mitbürger zu geben, der in einem erheblichen Maß an der Entwicklung Deutschlands beteiligt war. So ist es ein Ziel des Instituts, einer Reduzierung der Geschichte der Juden auf Antisemitismus und Holocaust entgegen zu wirken. Zu diesem Zweck hat das Leo Baeck Institut ein Archiv angelegt, veranstaltet Tagungen, veröffentlicht eine Schriftenreihe und hat 2003 eine Orientierungs­hilfe für Lehrplan- und Schulbucharbeit sowie Lehrerbildung und Lehrerfortbildung über Deutsch-jüdische Geschichte im Unterricht erstellt. Denn dieser Erfolg der deutschen Juden wird auch heute noch gerne ausgeblendet. In einem Podiumsgespräch über "Die Bedeutung der deutsch-jüdischen Geschichte für die jüdische und die deutsche Erinnerungskultur" wurde das Thema ausführlich debattiert und mit der inzwischen weiter wachsenden Erinnerungskultur reflektierend betrachtet. Professor Dr. Reinhard Rürup fasste als ein Resümee zusammen, dass die Diskussion noch systematischer weiter geführt werden müsse. Interessante Denkanstöße hat sie allemal geliefert.

 

Wir wünschen dem Leo Baeck Institut für seine Arbeit weiter gutes Gelingen und hoffen, dass die nächsten fünfzig Jahre genauso erfolgreich und fruchtbar sein werden wie die ersten fünfzig.

 

Das Leo Baeck Institut im Internet:     New York: http://www.lbi.org/  

Jerusalemhttp://www.leobaeck.org/     London: http://www.leobaeck.co.uk/

 

Im September 2001 wurde im Jüdischen Museum Berlin eine Dependance des Archivs des New Yorker Leo Baeck Instituts eröffnet. Öffnungszeiten sind Montag bis Donnerstag, 10 bis 16 Uhr. Die Benutzung ist schriftlich zu beantragen beim Archiv des Leo Baeck Instituts New York im Jüdischen Museum Berlin, Direktor: Aubrey Pomerance, Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin. Info: (030) 2599-3556, Fax: -3409, Email  a.pomerance@jmberlin.de

 

Weiterer Kontakt in Deutschland: Freunde und Förderer des Leo Baeck Instituts e.V.
Liebigstraße 24, 60323 Frankfurt a.M.; Telefon: 069 - 722 133   Fax: 069 - 723 841

Email: LBI.FFM@t-online.de   Homepage: http://www.leobaeck.de/

 

Nikoline Hansen