Die Mahnung 51/6     1. Juni 2004

 

Band für Mut und Verständigung 2003

 

Seit 1993 vergibt das Bündnis der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit das „Band für Mut und Verständigung“ an Bürgerinnen und Bürger, die sich couragiert gegen Ausländer­feind­lichkeit oder für die Verständigung unterschiedlicher Kulturen in der Region Berlin-Brandenburg einsetzen. Anlass für die Schaffung des Preises waren die ausländerfeindlichen Ausschreitungen in Hoyerswerda im September 1991, die den Namen Hoyerswerda damit zu einem Synonym für militante Ausländerfeindlichkeit in Ostdeutschland machte, wie der Ministerpräsident des Landes Brandenburg Matthias Platzeck in seiner Laudatio auf die Preisträger betonte. Ausgezeichnet wurde der Cottbusser Horst Martin, der sich in einer Straßenbahn schützend vor ein dunkelhäutiges Paar stellte, das von drei rechtsradikalen Jugendlichen belästigt wurde. Er verständigte den Straßenbahnfahrer und bat ihn, die Polizei zu rufen, woraufhin er von den Jugendlichen mit Faustschlägen, Kopfstößen und Fußtritten angegriffen wurde. Die anderen Fahrgäste griffen nicht ein und schauten weg, der zehnjährige Sohn wurde Zeuge des Vorfalls.

Eine weitere Auszeichnung ging an das Ehepaar Gerda und Hans-Werner Backhaus aus Wittstock, das Polizei und Krankentransport alarmierte, als vor seinem Haus zwei junge Aussiedler geschlagen wurden, einer davon verstarb 14 Tage später im Krankenhaus. Durch ihre Aussagen vor Gericht in Neuruppin konnten die Eheleute verhindern, dass die Täter frei kamen. Diese beiden Beispiele zeigen wieder einmal sehr bedrückend, dass das Thema Fremdenfeindlichkeit trotz aller Versuche, öffentlich dagegen anzugehen, in Brandenburg noch immer aktuell ist. Die dritte Auszeichnung für Verständigung ging an Editha Kindzorra aus Berlin-Pankow für ihre ehrenamtliche Tätigkeit im Verein OASE Pankow e.V., der ausländische Mitbürger im Alltag gegen Rassismus unterstützt. Sie ist Bürgerdeputierte im Migrantinnenbeirat im Bezirk Pankow, arbeitet im „Netzwerk gegen Rassismus, Antisemitismus und rechte Gewalt“ mit, das sie 2002 mit anderen ins Leben gerufen hat und engagiert sich bei der Umsetzung des „Lokalen Aktionsplans Pankow gegen Rechtextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus“. In ihrer Danksagung wies sie darauf hin, dass es keine Entschuldigungen für Fremdenfeindlichkeit gäbe wie etwa die Ausrede, Ausländer nähmen Deutschen die Arbeitsplätze weg, sondern dass es sich um eine Frage der Einstellung gegenüber seinen Mitmenschen handele, die aus dem Elternhaus an die Kinder weitergegeben würde.

 

 

 

Nikoline Hansen