Die Mahnung 52/2     1. Februar 2005

 

denk!mal - erinnern und gestalten

 

Anlässlich des Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz rief das Abgeordnetenhaus Berlin nun zum wiederholten Male Jugendliche dazu auf, ihre mit dem Thema verbundenen Empfindungen  künstlerisch zu gestalten oder ihre politische Beschäftigung mit dem Thema zu präsentieren. Dies gelang wieder auf beeindruckende Weise und zeigt, wie wichtig eine derartige Veranstaltung für die Motivation sein kann, sich mit dem doch eher unangenehmen Thema auseinanderzusetzen. Dem Projektbüro gelang es auch diesmal, eine Vielzahl von Sponsoren zu finden, die nicht nur für das Catering am Abend sorgten, sondern auch eine beachtliche Zahl von Preisen für die ausgesprochen engagierten Jugendlichen zur Verfügung stellten.

Das Projekt bestand aus der Vermittlung von Zeitzeugengesprächen, einer von den Jugendlichen gestalteten Ausstellung, die vom 12.-18. Januar im Abgeordnetenhaus zu sehen war, sowie einer Abendveranstaltung am 11. Januar 2005 mit einem abwechslungsreichen gemischten Programm. Auch hier wurden die zum Teil nur im weitesten Sinne mit dem Thema zusammenhängenden Präsentationen durch ein Zeitzeugengespräch in den primären Zusammenhang gebracht, sodass der Anlass nicht verloren ging. Besonders beeindruckend war die Präsentation des OSZ Velten und Schulzentrum an der Alwin-Lonke-Straße, Bremen, die über ihren Workshop „Lernen und Arbeiten im ehemaligen KZ Sachsenhausen“ berichte­ten – in einer gelungenen Melange aus eigenen Erfahrungsberichten der handwerklichen Tätigkeit vor Ort, mit der sie den baulichen Erhalt der Gedenkstätte unterstützten und dem dort Gelernten über den Häftlingsalltag, das durch das Vortragen von im KZ entstandene Musik­stücke eindrucksvoll vermittelt wurde.

Lediglich die Bemerkung einer Schülerin, die zehnte Klasse ihrer Schule fahre jedes Jahr nach Auschwitz „um das Grauen nachzuempfinden“ zeigt, dass gerade bei derartigen Veranstaltungen eine spezifische pädagogische Betreuung der Teilnehmer notwendig ist, denn dies kann ja wohl nicht primäres Ziel einer Gedenkstättenfahrt sein. Vielleicht war diese Antwort der Aufregung zu schulden, vor einem großen Publikum über die Erlebnisse zu berichten.

Weitere Informationen über die Veranstaltung, die hoffentlich auch nächstes Jahr wieder für viele Berliner Schüler eine Motivation bieten wird, sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, finden Sie im Internet unter http://denkmal-berlin.de

 

Nikoline Hansen