©Die Mahnung

Die Mahnung 53 1/2  1. Januar/1. Februar 2006

 

Verleihung des Heinz-Galinski-Preises an Frau Dr. Dr. h.c. Hildegard Hamm-Brücher

Am 27. November 2005 hat die jüdische Gemeinde zu Berlin den Heinz-Galinski-Preis an die Chemikerin und Politikerin Dr. Dr. h.c. Hildegard Hamm-Brücher für ihre Verdienste um die deutsch-jüdische Verständigung verliehen. In seinen einführenden Worten erklärte der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde zu Berlin, zugleich Vorsitzender des Kuratoriums der Heinz-Galinski-Stiftung Dr. Gideon Joffe, dass Deutschland die Demokratie nicht von den Amerikanern geschenkt bekommen habe, Amerika wohl aber die Rahmenbedingungen dafür geschaffen habe, dass eine Demokratie in Deutschland möglich wurde – eine Demokratie, die erkämpft werden musste. Eine der Mitstreiterinnen in diesem Prozess war Hildegard Hamm-Brücher, 1921 geboren und mütterlicherseits einer getauften jüdischen Industriellenfamilie entstammend. In seiner Laudatio hob Professor Ernst Cramer, Vorstandsvorsitzender der Axel Springer Stiftung hervor, dass die Prämisse „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ für Hildegard Hamm-Brücher stets an erster Stelle stünde und Bildung für sie den höchsten Stellenwert habe. Dabei setze sie sich persönlich konsequent gegen jede Form von Vorurteilen und Antisemitismus ein und vertrete die Position, dass das Existenzrecht Israels unmissverständlich garantiert werden müsse – und dies, betonte Cramer, müsse ein Ceterum Censeo gerade auch der aktuellen Nahostpolitik sein. Von Normalität in den deutsch-jüdischen Beziehungen könne noch immer keine Rede sein, solange Einrich­tungen der jüdischen Gemeinde in Deutschland vor rechtsextremistischen und islamistischen Kräften durch die Polizei geschützt werden müsse.

Ihre Danksagung eröffnete Hamm-Brücher, die 2002 aus Protest gegen die von Jürgen Möllemann ausgehende "rechtspopulistische, antiisraelische und tendenziell Antisemitismus schürende" Agitation sowie die aus ihrer Sicht nicht genügend entschiedene Haltung der Parteiführung in dieser Angelegenheit aus der FDP ausgetreten war mit den Worten Theodor Heuss "Die Liebe ist immer ein Wagnis. Aber nur im Wagen wird gewonnen."