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Die Mahnung 52/10  1. Oktober 2005 / 52/11-12

 

Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess

Eine Ausstellung der "Stiftung Topographie des Terrors"

Der neu geschaffenen Sandwüste trotzend zeigt die „Stiftung Topographie des Terrors“ nun ihre vierte Bauzaunausstellung, die wirklich sehenswert ist. Die Ausstellung skizziert den Hintergrund und die Zielsetzung des von den Alliierten in Nürnberg geführten Prozesses gegen 24 führende Repräsentanten des NS-Regimes und sechs nationalsozialistische Organi­sa­tionen. Sie zeigt aber nicht nur die ganze Geschichte, ohne sich dabei im Detail zu verlieren, sondern bettet diesen Prozess in einen historischen Kontext ein, der mit der Einrichtung des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag bis in die Gegenwart reicht.

Besonders wichtig ist für diese Ausstellung die Präsentation der Tondokumente, die den ausgewählten Aussagen eine zusätzliche Dimension verschaffen: Stimme und Tonfall der Angeklagten liefern wichtige zusätzliche Information auf einer weiteren Ebene, indem sie die Gefühle der Angeklagten offenbaren. Ohne diese – im Freien nicht ganz problemlos zu realisierende Technik, wie der geschäftsführende Direktor Dr. Andreas Nachama betonte, wäre die Ausstellung sicher nicht so überzeugend. Sie kann damit, wie auch die anderen Ausstellungen, mit knappen finanziellen Mitteln einen interessanten Beitrag zur Volksbildung auf einem gemeinhin vernachlässigten Gebiet der deutschen Geschichte leisten. Sie tut dies – und auch das ist ein besonderes Verdienst - ohne moralischen Zeigefinger, indem sie sachlich und präzise dokumentiert. Dabei entkräftet sie den Vorwurf der „Siegerjustiz“ und zeigt die Notwendigkeit einer internationalen Gerichtsbarkeit als Instrument der Disziplinierung Herrschender, die gegen Völker- und damit Menschenrechte verstoßen.

Einerseits wünscht man sich natürlich noch viele solcher eindrucksvollen Ausstellungen, andererseits wäre es doch von Vorteil, wenn aus dem Provisorium bald eine Institution wird, die dieses wichtige Projekt der deutschen Geschichtsschreibung dem deutschen und internationalen sehr interessierten Publikum in einem angemessenem Rahmen präsentieren kann. Deutsche Winter im Freien sind kalt und berauben einen der Muße, die dem Betrachten der Tafeln angemessen wäre. Obwohl auch das natürlich durchaus eine interessante sinnliche Erfahrung ist.

Zu der Ausstellung ist eine zweisprachige Begleitbroschüre „Der Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess 18. Oktober 1945 – 1. Oktober 1946“ erschienen, der in der Ausstellung erworben werden kann.

Open-Air Ausstellung    Niederkirchnerstrasse 8, 10963 Berlin

Nikoline Hansen